Schlepper-Stundensätze 2026 reichen laut KTBL von 55–90 EUR/h für kleine Klassen (80–110 PS) bis 210–280 EUR/h für Großschlepper über 340 PS — jeweils mit Fahrer, ohne Anbaugerät. Der kritischste Faktor ist nicht die PS-Klasse, sondern die Auslastung: Wer mit 1.200 Stunden rechnet und 700 fährt, hat versteckte Fixkosten von bis zu 42.000 EUR pro Jahr.
Schlepper-Stundensätze sind die Basis jeder Lohn-Kalkulation. Wer einen Pflug, eine Sämaschine oder eine Gülle-Verteilung anbietet, rechnet im Kern in Schlepper-PS und Stunden — alles andere ist Aufschlag. Aber die KTBL- und ÖKL-Tabellen geben Ranges, keine Festwerte. Was den realen Satz nach oben oder unten verschiebt, ist die Auslastung, die Region und das Anbaugerät.
Diese Übersicht zeigt Größenordnungen für 2026 und erklärt, welche Faktoren den realen Satz pro Klasse formen.
Schlepper-Stundensatz-Bandbreite 2026 nach Leistungsklasse
Größenordnungen aus KTBL-MaKost, ÖKL-Richtwerten und Branchen-Presse, gerundet zur einfachen Orientierung. Verbindliche Werte über die Original-Tabellen.
| PS / kW | Beispiel-Schlepper | KTBL-Range EUR/h | ÖKL-Range EUR/h |
|---|---|---|---|
| 80-110 PS / 60-80 kW | Fendt 312, John Deere 5100 | 55-90 | 60-85 |
| 110-150 PS / 80-110 kW | Fendt 716, John Deere 6120 | 75-115 | 80-110 |
| 150-200 PS / 110-150 kW | Fendt 720, John Deere 6195 | 100-140 | 105-135 |
| 200-260 PS / 150-190 kW | Fendt 828, John Deere 6250R | 130-180 | 135-175 |
| 260-340 PS / 190-250 kW | Fendt 933, John Deere 7R 290 | 170-220 | 175-215 |
| >340 PS / >250 kW | Fendt 1050, John Deere 8R 370 | 210-280 | 215-275 |
Diese Werte gelten für reine Schlepperstunden mit Fahrer, ohne Anbaugerät. Bei Gespannstunden kommen je nach Gerät 20-60 EUR/h dazu.
Wie der KTBL-Wert entsteht
Der KTBL-Stundensatz setzt sich aus festen und variablen Kosten zusammen. Beispiel für einen 150-kW-Schlepper (200 PS) bei 1.200 Jahresstunden:
| Kostenposition | EUR/h |
|---|---|
| Abschreibung (180.000 EUR / 8 Jahre / 1.200 h) | 19 |
| Zinsen auf gebundenes Kapital | 5 |
| Versicherung + Steuern | 4 |
| Reparatur + Wartung (3 % AfA-Basis) | 5 |
| Unterstellung | 1 |
| Diesel 15 L/h × 1,50 EUR | 23 |
| Schmierstoffe | 2 |
| Fahrer-Lohn inkl. Lohnnebenkosten | 35 |
| Vollkosten KTBL | 94 |
Plus Gewinnmarge 15-25 % ergibt einen Markt-Stundensatz von 108-118 EUR/h. Das entspricht der KTBL-Range für diese Klasse.
Was den realen Satz nach oben verschiebt
Faktoren, die KTBL/ÖKL nach oben verschieben:
- Niedrige Auslastung (Solo-LU mit 500-700 h/Jahr): Vollkosten 130-160 EUR/h statt 94
- Spezialaufgaben (Steilhang-Schlepper, Forstvariante): Aufschlag 10-20 %
- Hohe Mobilitätsanforderung (kurze Einsätze über große Strecke): Anfahrtskosten dominieren
- Marktknappheit in Spitzensaison (Drusch, Mais-Häckseln): Aufschlag 10-15 %
- Bergregion (höhere Reparaturkosten, schlechtere Auslastung): Aufschlag 10-15 %
Ein 150-kW-Schlepper in einer schwach besiedelten Bergregion mit 600 Jahresstunden kostet realistisch 150-180 EUR/h vollkostendeckend.
Was den realen Satz nach unten zieht
Gegenfaktoren, die Stundensätze nach unten ziehen:
- Hohe Auslastung (>1.500 h/Jahr, MR-vermittelt): Vollkosten 75-90 EUR/h statt 94
- Älterer Schlepper voll abgeschrieben: Abschreibung entfällt, -15-25 EUR/h
- Standardisierte Routine-Aufträge (z. B. Maschinenring-Pool): wenig Akquise-Overhead
- Flache, gut bewirtschaftete Regionen: weniger Reparaturen, mehr Hektar/h
- Eigenes Personal mit Stammbeschäftigung (vs. teurer Saison-Aushilfe)
Ein 150-kW-Schlepper im MR-Pool in der norddeutschen Tiefebene mit 1.600 Jahresstunden und Fahrer-Stammkraft kostet 85-105 EUR/h.
Praktische Anwendung: KTBL/ÖKL-Wert als Anker
Drei-Schritte-Methode für jeden Auftrag:
- Anker setzen — KTBL/ÖKL-Wert für die Schlepper-Klasse nachschlagen (Mitte der Range)
- Eigene Faktoren anwenden — Auslastung, Region, Spezialaufgaben (+/- 0-30 %)
- Markt prüfen — was zahlt der lokale Maschinenring oder das benachbarte LU für gleiche Arbeit
Bei größeren Aufträgen mit Saisonbindung: zusätzlich eine Dieselzuschlag-Klausel einbauen, weil Schlepper-Stundensätze ca. 25-30 % Treibstoffanteil haben — schon 0,15 EUR Diesel-Preisbewegung verschiebt 4-5 EUR/h Vollkosten.
Schlepper-Stundensatz vs. Hektarsatz
Bei flächengrößeren Aufträgen (>5 ha) ist der Hektarsatz oft praktischer. Umrechnung:
- Pflug 5-Schar, 150 kW: 1,5 ha/h × 100 EUR/h = ca. 67 EUR/ha (plus Gerät)
- Mähdrusch 6 m, 200 kW: 1,2 ha/h × 150 EUR/h = ca. 125 EUR/ha (plus Mähdrescher)
- Gülle-Verteilung 18 m³, 150 kW: 30-40 m³/h × Stundensatz / m³
Wann was sinnvoll ist, im Detail im Vergleich Hektar- vs. Stundensatz.
Was viele Solo-LU unterschätzen
Drei häufige Kalkulationsfehler:
- Auslastung zu hoch geschätzt — KTBL-Annahme 1.200 h/Jahr ist Vollerwerb. Solo-LU mit Nebenerwerb fährt oft 400-700 Stunden — Vollkosten/h verdoppeln sich fast.
- Fahrer-Lohn vergessen — wer als Inhaber selbst fährt, “rechnet sich keinen Lohn rein” und unterbietet damit den Markt. Spätestens bei Krankheit oder Wachstum kippt das.
- Reparaturen unterschätzt — KTBL setzt 3 % AfA-Basis, in der Praxis bei intensiv genutzten Maschinen 4-6 %. Bei einem 180.000-EUR-Schlepper ist das 1,5-3 EUR/h Unterschied.
Mini-Checkliste vor jedem Schlepper-Angebot
- KTBL- oder ÖKL-Wert für die PS-Klasse nachgeschlagen, beide bei DACH-Aufträgen
- Eigene Vollkostenrechnung mit realistischer Jahresauslastung gemacht
- Anbaugerät-Aufschlag oder Gespannstundensatz berechnet
- Anfahrtspauschale für kurze Einsätze separat berücksichtigt
- Dieselzuschlag-Klausel bei Saisonbindung > 4 Wochen
- Gewinnmarge 15-25 % addiert, mehr bei Spezialaufgaben
- Marktvergleich mit MR-Satz und Konkurrenz-Quote 1-2 Anrufe
Was KTBL/ÖKL nicht ersetzt
Die Tabellen sind Faustzahlen, keine Marktpreise. Sie sagen, was eine durchschnittliche Maschine in einem durchschnittlichen Betrieb durchschnittlich kostet. Dein konkreter Stundensatz hängt von deinem konkreten Betrieb ab — und der konkreten Region. Wer 2026 in eine Saison startet, sollte einmal eine Vollkostenrechnung mit den eigenen Zahlen machen (Schlepper-Anschaffungspreis, eigener Diesel-Verbrauch, eigene Auslastung). Die KTBL-Range ist der Sicherheits-Anker, dein Vollkostensatz die Wahrheit.
Kein Steuerberater-Ersatz: Bei größeren Maschinen-Investitionen lohnt sich die Investitionsrechnung beim LK-Berater oder Agrar-Betriebswirt — die Stundensatz-Kalkulation hängt eng an der Finanzierungs- und Abschreibungsstrategie.