Schnellantwort
Wirklich dauerhaft kostenlos ist 2026 vor allem MeinAcker vom Maschinenring — gratis bis Ende 2026, mit vollem Funktionsumfang. Daneben taugen eine einfache Excel-Vorlage und die WinTec-Agrar-App. Die meisten anderen „kostenlosen” Programme sind in Wahrheit nur 30-Tage-Tests oder begrenzte Demos.
Was „kostenlos” bei einer Schlagkartei wirklich heißt
Eine Ackerschlagkartei ist das digitale Feldtagebuch. Sie hält fest, was auf welchem Schlag passiert ist: Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz, Ernte. Für Landwirte ist das Pflicht — und auch Lohnunternehmer brauchen die Daten, etwa für die Doku beim Spritzen oder Güllefahren.
Bei der Suche nach einer kostenlosen Lösung gibt es drei Stolperfallen:
- Testversion statt Gratis-Programm. Viele Anbieter werben mit „kostenlos testen”. Nach 30 Tagen ist Schluss, dann kostet es.
- Begrenzte Demo. Manche Programme sind voll nutzbar, aber nur für eine Handvoll Schläge.
- Gratis-Basis, teure Pflichtmodule. Die Grundfunktion ist frei, aber Düngebedarfsermittlung oder Stoffstrombilanz kosten extra.
Echte kostenlose Lösungen gibt es trotzdem. Man muss nur wissen, welche.
MeinAcker — die beste kostenlose Lösung 2026
Der Maschinenring stellt seine Schlagkartei MeinAcker bis zum 31. Dezember 2026 kostenfrei zur Verfügung. Das ist aktuell das stärkste Gratis-Angebot am Markt.
Was MeinAcker kann:
- Digitale, grafische Flächenverwaltung am PC und in der App
- Länderspezifische Düngebedarfsermittlung
- Offline-Nutzung — Maßnahmen lassen sich auch ohne Netz im Feld erfassen
- Dokumentenablage und ein einfaches Rechnungsprogramm
- Schnittstellen zum Steuerberater (DATEV, Wiking, Adnova)
Für die Nutzung ist eine Registrierung im Maschinenring-Portal nötig. Eine Mitgliedschaft im Maschinenring ist nicht zwingend erforderlich, lohnt sich für Lohnunternehmer aber oft aus anderen Gründen — mehr dazu im Beitrag zu den Maschinenring-Verrechnungssätzen.
Der einzige Haken: Das kostenfreie Fenster ist auf Ende 2026 datiert. Was danach kommt, ist offen. Wer einsteigt, sollte seine Daten exportierbar halten.
Die kostenlose Alternative: Excel oder PDF
Für kleine Betriebe mit wenigen Schlägen reicht oft eine Excel-Tabelle oder PDF-Vorlage. Das ist gratis und erfüllt die Aufzeichnungspflicht — solange alle Pflichtangaben erfasst werden.
Was in jede Schlagkartei gehört:
- Schlagbezeichnung und Größe
- Kultur und Sorte
- Datum jeder Maßnahme
- Bei Düngung: Düngerart, Menge, Nährstoffgehalt
- Bei Pflanzenschutz: Mittel, Zulassungsnummer, EPPO-Code, Aufwandmenge
Die Schwächen von Excel:
- Keine automatische Düngebedarfsermittlung — das muss man selbst rechnen.
- Keine gepflegte Pflanzenschutz-Datenbank.
- Keine Rechts-Updates. Ändert sich eine Pflichtangabe, merkt das die Tabelle nicht.
Excel ist also die ehrlichste Gratis-Lösung — aber auch die mit dem meisten Handarbeit. Wer mehr als ein Dutzend Schläge bewirtschaftet, stößt schnell an die Grenze.
Apps und Demoversionen — was taugt was?
Neben MeinAcker und Excel gibt es weitere kostenlose Bausteine:
WinTec Agrar App: komplett kostenlos, ohne Registrierung. Sie enthält die Pflanzenschutzmittel-Datenbank des BVL und funktioniert offline. Es gibt sie für iOS, Android und Windows. Stärke: schnelles Nachschlagen von zugelassenen Mitteln. Schwäche: keine vollwertige Schlagverwaltung.
Demo der LWK Niedersachsen: voll funktionsfähig, aber auf fünf Schläge begrenzt. Die Vollversion kostet einmalig 95 Euro zzgl. MwSt. Für einen Kleinbetrieb mit unter fünf Schlägen kann die Demo dauerhaft reichen.
Ackerprofi und andere Profi-Tools: meist 30 Tage gratis, danach kostenpflichtig. Gut zum Ausprobieren, aber keine Dauerlösung.
Wenn sich die Investition lohnt: günstige Kaufprogramme
Manchmal ist eine günstige Kauflösung sinnvoller als die Gratis-Variante mit Lücken. Ein Beispiel ist die Schlagkartei ASK 8.0 (holdi.de): Die Jahreslizenz kostet im ersten Jahr 79 Euro zzgl. MwSt., danach 29 Euro pro Jahr. Es gibt auch eine Dauerlizenz für einmalig 249 Euro.
Dafür bekommt man Düngeberechnung, Humusbilanz, Stoffstrombilanz und eine gepflegte Pflanzenschutz-Dokumentation mit EPPO-Codes. Das ist ab der Version 8-2026-06 enthalten — passend zur neuen Pflicht.
Der Punkt ist nicht der Preis von 29 Euro im Jahr. Der Punkt ist: Eine gepflegte Software hält die rechtlichen Vorgaben aktuell. Bei einer Vor-Ort-Kontrolle zählt das.
Neu 2026: strengere Doku-Pflicht beim Pflanzenschutz
Seit Januar 2026 ist die Dokumentation beim Pflanzenschutz strenger. Erfasst werden müssen unter anderem:
- der EPPO-Code der Kultur und des Schadorganismus
- die Zulassungsnummer des verwendeten Mittels
- die Lage der behandelten Fläche
- teils die Uhrzeit der Maßnahme
Diese Verschärfung trifft Lohnunternehmer direkt, die im Auftrag spritzen. Eine veraltete Excel-Vorlage kennt diese Felder nicht. Eine gepflegte Schlagkartei oder ein digitaler Lieferschein schon. Mehr dazu im Beitrag zu den PSM-Doku-Pflichten beim Spritzen.
Wer als Lohnunternehmer mehrere Auftraggeber bedient, sollte die Daten sauber pro Schlag und pro Kunde trennen. Das schützt im Streitfall und erfüllt die GoBD-Aufzeichnungspflichten.
Die Gratis-Optionen im direkten Vergleich
Die folgende Übersicht stellt die kostenlosen und günstigen Wege gegenüber. Sie zeigt, wo der jeweilige Haken liegt:
| Lösung | Kosten | Düngebedarf | PSM-Datenbank | Für wen |
|---|---|---|---|---|
| MeinAcker | Gratis bis Ende 2026 | Ja | Ja | Voller Umfang ohne Geld |
| Excel-Vorlage | Dauerhaft gratis | Nein | Nein | Wenige Schläge |
| WinTec App | Dauerhaft gratis | Nein | Ja (BVL) | PSM-Nachschlagen |
| LWK-Demo | Gratis, 5 Schläge | Ja | Ja | Sehr kleine Betriebe |
| ASK 8.0 | Ab 29 €/Jahr | Ja | Ja | Profi-Doku, günstig |
Wichtig: Die Tabelle bildet den Stand Mitte 2026 ab. Gerade bei den kostenfreien Fenstern lohnt ein Blick auf die aktuelle Anbieter-Seite, bevor man sich festlegt.
Der wichtigste Punkt vor der Wahl: der Datenexport
Eine kostenlose Schlagkartei hat ein verstecktes Risiko: die Bindung an den Anbieter. Wer drei Jahre lang jeden Schlag, jede Düngung und jede Spritzfolge in ein Gratis-Programm tippt, hat dort einen wertvollen Datenschatz liegen.
Was passiert, wenn das kostenfreie Fenster endet oder der Anbieter den Dienst einstellt? Dann zählt nur eine Frage: Kommt man an die eigenen Daten heran?
Worauf man vor dem Einstieg achten sollte:
- Gibt es einen Export als Excel, CSV oder PDF?
- Lassen sich die Flächen als Shape-Datei ausgeben?
- Sind die Daten an eine Schnittstelle zum Steuerberater angebunden?
MeinAcker bietet Schnittstellen zu DATEV, Wiking und Adnova — das ist ein gutes Zeichen. Bei einer reinen App ohne Export ist Vorsicht geboten. Wer die Daten nicht herausbekommt, sitzt in der Falle.
Für Lohnunternehmer gilt das doppelt: Die Aufzeichnungen müssen revisionssicher und über Jahre nachvollziehbar bleiben. Eine Pflicht, die auch der Sachkundenachweis berührt — siehe PSM-Sachkundenachweis für Lohnunternehmer.
Welche Schlagkartei ist die beste für mich?
Die Antwort hängt vom Betrieb ab:
- Wenige Schläge, einfache Doku: Excel-Vorlage oder LWK-Demo.
- Voller Funktionsumfang ohne Kosten: MeinAcker (bis Ende 2026).
- Profi-Doku mit Rechts-Updates: günstige Kauflösung wie ASK 8.0.
- Lohnunternehmer mit vielen Kunden: eine Lösung, die Schlag, Kunde und Rechnung trennt.
Für Lohnunternehmer geht es selten nur um die Schlagkartei. Es geht um die ganze Kette: Auftrag, Doku, Lieferschein, Rechnung. Welche Software das abdeckt, zeigt der Lohnunternehmer-Software-Vergleich 2026.
Kurz zusammengefasst
- MeinAcker (Maschinenring) ist 2026 die beste kostenlose Volllösung — gratis bis Ende des Jahres.
- Excel und PDF sind gratis, aber ohne Düngebedarf und Rechts-Updates.
- WinTec Agrar App ist kostenlos fürs PSM-Nachschlagen.
- Die meisten „kostenlosen” Profi-Tools sind nur 30-Tage-Tests.
- Ab 2026 verlangt die PSM-Doku mehr Pflichtangaben — Excel hält da kaum mit.
Hinweis: Preise und kostenfreie Fenster ändern sich. Vor der Entscheidung den aktuellen Stand beim jeweiligen Anbieter prüfen.
Doku und Abrechnung in einem Schritt
Für Lohnunternehmer lohnt sich eine Lösung, die Feld-Doku und Abrechnung verbindet — vom Lieferschein bis zur Rechnung. Wie ein sauberer Lieferschein mit DATEV-Anbindung aussieht, steht im verlinkten Beitrag.
Und wer als einer der ersten Zugang zur Hofwerk-Plattform für Lohnunternehmer bekommen möchte: auf die Warteliste.